Definition und Funktion der verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) in der DIN VDE 1000-10
Alle Unternehmen, die elektrotechnische Einrichtungen planen, errichten, betreiben oder instand halten, sind gut beraten, wenn sie eine Verantwortliche Elektrofachkraft bestellen. Der Begriff wird durch die Norm DIN VDE 1000-10 mit dem Titel „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ definiert. Seit diese im Mai 1995 erstmals erschienen ist, nimmt das Thema rechtssichere Organisation im Bereich der Elektrotechnik, bzw. Elektrosicherheit langsam aber beständig an Fahrt auf.
Die Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) trägt nach ihrer Aufgabenübertragung in einem klar definierten Aufgaben- und Arbeitsbereich (elektrotechnischer Betrieb oder Betriebsteil) die elektrotechnische Fachverantwortung und ist darüber hinaus in diesem konkreten Bereich schriftlich mit der Wahrnehmung von Unternehmerpflichten hinsichtlich der Einhaltung der elektrotechnischen Anforderungen beauftragt. Unternehmerpflichten sind z. B. Organisations-, Fürsorge-, Auswahl-, Aufsichts- und Kontrollpflicht sowie die Verpflichtung eine angemessene Dokumentation zu den genannten Punkten zu führen.
Auch die Berufsgenossenschaft wird das Thema „Verantwortliche Elektrofachkraft“ (VEFK) bzw. „leitende Elektrofachkraft“ voraussichtlich im Rahmen der Überarbeitung der Unfallverhütungsvorschriften DGUV Vorschrift 3 und 4 bzw. in der künftigen BG-Regel 103-011 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ behandeln.
Funktion der verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK)
Die Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) trägt in einem klar definierten Aufgaben- und Arbeitsbereich (elektrotechnischer Betrieb oder Betriebsteil) die elektrotechnische Fachverantwortung und ist darüber hinaus in diesem konkreten Bereich schriftlich mit der Wahrnehmung von Unternehmerpflichten hinsichtlich der Einhaltung der elektrotechnischen Anforderungen beauftragt. Unternehmerpflichten sind z. B. Organisations-, Fürsorge-, Auswahl-, Aufsichts- und Kontrollpflicht sowie die Verpflichtung eine angemessene Dokumentation zu den genannten Punkten zu führen.
Aufgaben einer Verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK)
Die konkreten Pflichten können sich natürlich von VEFK zu VEFK unterscheiden. Der konkrete Tätigkeitsbereich muss in der VEFK-Pflichtenübertragung (Bestellung) hinreichend genau beschrieben sein. In der Regel umfassen die Aufgaben der verantwortlichen Elektrofachkraft folgendes:
- Grundlegende Organisation des Elektrobereichs und der fachlichen Pflichtenübertragungen an Elektrofachkräfte (Aufbau und Erhalt einer fachlichen Struktur)
- Planen, Errichten, Betreiben, Instandhalten und Ändern (Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel (Erstprüfungen und Wiederholungsprüfungen), Zutrittsregelung für elektrische Betriebsstätten und abgeschlossene elektrische Betriebsstätten, Durchführungserlaubnis sowie Arbeitsfreigabe, Festlegen zulässiger Tätigkeiten und Arbeitsverfahren etc.)
- Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen
- Kommunikation und Schnittstellen des Elektrobereichs mit anderen Unternehmensbereichen
- Bereich Dokumentation und ggfs. technische Produktdokumentation
- Fremdfirmeneinsatz
- Organisation des Themenbereichs persönliche Schutzausrüstung und Arbeitskleidung
- Koordinierte Bereitstellung von relevanten Regelwerken
- Qualifikationsaufbau und -erhalt für im Elektrobereich tätige Personen wie beispielsweise elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP), Elektrofachkräfte (EFK), Schaltberechtigte, befähigte Personen für Prüfungen und Anlagen- und Arbeitsverantwortliche
Struktur und Anzahl erforderlicher Verantwortlicher Elektrofachkräfte (VEFK)
Die Komplexität der Organisation des Elektrobereichs hängt natürlich stark von der Unternehmensgröße und vom Betriebszweck des jeweiligen Unternehmens ab. Je größer die elektrischen Gefährdungen sind (beispielsweise durch hohe elektrische Spannungen oder hohe Energien), desto mehr Augenmerk muss auf diesen Bereich gelegt werden. Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Qualifikation und die Anzahl der an oder in der Nähe von elektrischen Anlagen tätig werdenden Personen. Je größer die Anzahl der vorhandenen Elektrofachkräfte, elektrotechnisch unterwiesenen Personen, Prüfer oder Schaltberechtigten wird, desto wichtiger ist die Verantwortung entsprechende fachliche Führungsstrukturen zu etablieren.
Verantwortliche Elektrofachkräfte (VEFK) können beispielsweise für räumliche Regionen, für bestimmte Unternehmensbereiche oder auch thematisch für einzelne Teilbereiche der Elektrotechnik, wie beispielsweise für den Themenbereich der elektrotechnischen Erst- und Wiederholungsprüfungen von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln bestellt werden.
Natürlich kann, je nach Unternehmensgröße, die Notwendigkeit bestehen nicht nur eine, sondern mehrere Verantwortliche Elektrofachkräfte (VEFK) zu beauftragen, um den elektrotechnischen Unternehmensbereich rechtssicher zu organisieren. Koordiniert und synchronisiert wird das Gesamtsystem dann in der Regel von einer gesamtverantwortlichen Elektrofachkraft oder von einem Elektrosicherheitskoordinator.
Fachliche Weisungsbefugnis bei der Bestellung der Verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK)
Jede für die Erstellung und Einhaltung der elektrotechnischen Sicherheitsfestlegungen zuständige Verantwortliche Elektrofachkraft, darf Weisungen nur von einer möglicherweise übergeordneten Verantwortlichen Elektrofachkraft erhalten. Die fachliche Weisungsbefugnis ist Bestandteil der fachlichen Weisungsfreistellung einer jeden VEFK, die diese im Rahmen der Bestellung erhalten muss. Eine VEFK darf hinsichtlich Erstellung und Einhaltung der elektrotechnischen Sicherheitsfestlegungen keiner Weisung von fachfremden Personen, die keine fundierten Kenntnisse im Bereich der Elektrotechnik besitzen, unterliegen. Die fachliche Weisungsfreistellung im Beauftragungsbereich stellt die erforderliche Kompetenzzuweisung dar, damit die Verantwortliche Elektrofachkraft wirkungsvoll im Rahmen der übertragenen Pflichten arbeiten kann.
Essentiell ist natürlich, dass die Weisungsfreiheit der VEFK nicht nur in der schriftlichen VEFK-Bestellung „erwähnt“ ist, sondern, dass diese Eingriffsmöglichkeit im Bedarfsfall in der Praxis tatsächlich vorhanden und akzeptiert ist.
Diesen wichtigen Punkt enthält letztlich jede VEFK-Bestellung, weil die einschlägige Norm, die DIN VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ dies auch so fordert. In der VEFK-Bestellung wird dies häufig mit Begriffen wie „ist fachlich weisungsfrei“ oder „unterliegt keiner fachlichen Weisung“ formuliert. Die Bestellung der Verantwortlichen Elektrofachkraft ist eine echte Unternehmerpflichtenübertragung und hat schriftlich zu erfolgen.