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Was sind die verschiedenen Qualifikationsstufen in der Elektrotechnik?

Qualifikationsstufen in der Elektrotechnik

Die folgende Übersicht zeigt die in Deutschland grundlegenden und gängigen Qualifikationsstufen im Bereich der Elektrotechnik.

Zunächst geht es um die Identifikation der drei eigentlichen Grundtypen der Qualifikationsstufen in der Elektrotechnik. Letzlich gibt es als Grundtypen nur den elektrotechnischen Laien, die elektrotechnisch unterwiesene Person und die Elektrofachkraft.

Die verschiedenen Qualifikationsstufen im Bereich der Elektrotechnik sind in den unterschiedlichen elektrotechnischen Vorschriften und Regelwerken unterschiedlich ausführlich behandelt und teilweise auch mehrfach (zum Glück gleichlautend) definiert.

Im Rahmen der Vorstellung der Qualifikationsstufen muss noch erwähnt werden, dass diese einerseits von den elektrotechnsichen Schul- und Berufsausbildungen (beispielsweise Facharbeiter, Techniker, Ingenieur) und andererseits von den elektrotechnischen Rollen gemäß DIN VDE 0105-100 (beispielsweise Anlagen- und Arbeitsverantwortlicher) abzugrenzen sind.

Die folgenden Abschnitte geben einen kurzen Überblick über die fachlichen Qualifikationsstufen und und die Abbildungen sind qualitativ zu verstehen.

Der Grundtyp der Qualifikationsstufe „Elektrofachkraft“ kann – im Gegensatz zum Typ Laie und EuP – vielfältig ausgeprägt sein. Hier seien insbesondere genannt:

  • Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten,
  • klassische Elektrofachkraft (mit „regulärer“ Berufsausbildung),
  • Elektrofachkraft mit Spezialkenntnissen, wie beispielsweise:

- Monteur für das Arbeiten unter Spannung
- Schaltberechtigter in elektrischen Anlagen
- Blitzschutzfachkraft,
- zur Prüfung befähigte Person im Bereich  elektrischer Gefährdungen
- Anlagenverantwortlicher,

  • verantwortliche Elektrofachkraft.

Die einzelnen Qualifikationsstufen lassen sich nicht immer „scharf“ gegeneinander abgrenzen, es gibt durchaus Überschneidungen, sodass sich insgesamt folgendes Bild ergibt:

 

 

Doch nun der Reihe nach zu den klassischen Qualifikationsstufen Laie, elektrotechnisch unterwiesene Person und Elektrofachkraft in ihren grundsätzlichen Ausprägungen:

Elektrotechnische Laien

Die DIN VDE 0105-100 definiert in ihrem Gliederungspunkt 3.2.6 den elektrotechnischen Laien kurz und knapp in Form einer "Ausschluss-Definition". Dort heißt es:

"Eine Person, die weder Elektrofachkraft noch elektrotechnisch unterwiesene Person ist."
Auch die DGUV Vorschrift 3 verwendet den Begriff des "Laien", allerdings ohne ihn zu definieren. Elektrotechnische Laien haben in aller Regel eine Berufsausbildung in einem anderen, nicht elektrotechnischen Bereich abgeschlossen. Sie können beispielsweise als Anlagenplaner, Mechaniker, Wartungsmonteure, Klärwerker, Haustechniker, Maschinenbauer oder Chemiker tätig sein.
Die Vorschriftenwerke stimmen in der Aussage überein, dass ein Laie keinerlei elektrotechnische Arbeiten selbstständig ausführen darf, da er weder Elektrofachkraft noch elektrotechnisch unterwiesene Person ist. Dennoch gibt es eine Reihe von Tätigkeiten, die ein Laie ausführen darf. Hier einige Beispiele:

  • Auswechseln von Lampen bei Nennspannungen bis 250 V,
  • Benutzen von Geräten, die für Laienverwendung vorgesehen sind, das heißt beispielsweise das Ein- und Ausschalten von elektrischen Betriebsmitteln bei vollständigem Berührungsschutz,
  • Zusammenfügen und Trennen von Steckvorrichtungen,
  • Überwachen der Betriebsmittel auf richtiges Arbeiten und auftretende Schäden (nicht im Sinne von "Überwachen durch besondere elektrotechnische Prüfungen", Zustand der Gehäuse, der Anschlussleitungen, der Lüftungsschlitze etc.),
  • Einsetzen und Auswechseln von Schraubsicherungen in entsprechend geeigneten Verteilungen,
  • einfache Reinigungsarbeiten (äußerliches Reinigen geschlossener Anlagen).

 

Elektrotechnisch unterwiesene Personen

Es gibt auch Arbeiten im Betrieb, die nicht zwingend von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden müssen, aber für den ungeschulten Laien gefährlich oder zu komplex sind. Es ist aber möglich, diese Tätigkeiten einer „elektrotechnisch unterwiesenen Person“ (EuP) zu übertragen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Elektrofachkraft die elektrotechnisch unterwiesene Person angelernt, über die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und diese über alle erforderlichen Schutzmaßnahmen unterwiesen hat. Im Wortlaut der DIN VDE 0105-100 heißt es:

„Elektrotechnisch unterwiesene Person ist, wer durch eine Elektrofachkraft über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen belehrt wurde.“
Elektrotechnisch unterwiesene Personen können die Elektrofachkräfte im Betrieb also wirksam unterstützen. Sie dürfen jedoch keinesfalls selbstständig Anlagen oder Geräte errichten, ändern oder instand halten. Sie arbeiten immer unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft. Von elektrotechnisch unterwiesenen Personen wird in allererster Linie absolut unterweisungskonformes Verhalten verlangt. Daher sind regelmäßige EuP-Unterweisungen und EuP-Schulung von Bedeutung.

Zum üblichen Tätigkeitsgebiet der elektrotechnisch unterwiesenen Person gehören hauptsächlich Arbeiten, die unter den in der Praxis geprägten Begriff "gelegentliches Handhaben" fallen, wie beispielsweise:

  • das Betreten abgeschlossener elektrischer Betriebsstätten,
  • das Neustarten von elektrischen Systemen oder Komponenten,
  • das Auswechseln von Bauelementen, wie Schraubsicherungen, Geräteschutzsicherungen sowie Anzeige-Lampen,
  • das Betätigen von Schutzeinrichtungen, wie Leitungsschutzschalter, Fehlerstromschutzschalter und Motorschutzschalter.

Welche Tätigkeiten im Einzelnen von diesen Mitarbeitern ausgeführt werden dürfen, muss letztendlich die verantwortliche Elektrofachkraft des jeweiligen Unternehmens festlegen. Um Aufgaben und Kompetenzen klar zu definieren und abzugrenzen, empfiehlt es sich, die Unterweisungsinhalte schriftlich zu dokumentieren und im Anschluss die Mitarbeiter in Schriftform zur „elektrotechnisch unterwiesenen Person“ zu bestellen (EuP-Bestellung).
Hier finden Sie als Vorlage eine Muster-Bestellung für eine elektrotechnisch unterwiesene Person.
 

Elektrofachkräfte

Als Elektrofachkraft im Sinne der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 gilt:
„Wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Bestimmungen die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.“

Im Regelfall wird das Erreichen der Elektrofachkraft-Qualifikation durch eine Ausbildung mit Abschluss als Geselle, Facharbeiter, staatlich geprüfter Techniker, Meister, Ingenieur, Bachelor oder Master im Bereich der Elektrotechnik nachgewiesen. Die Reihenfolge ist hier in keinem Fall eine Rangfolge. Gemäß der DGUV Vorschrift 3 kann zur Beurteilung der fachlichen Ausbildung aber auch eine mehrjährige Tätigkeit auf dem betreffenden Arbeitsgebiet herangezogen werden. In diesem Fall sind gemäß der Unfallverhütungsvorschrift noch einige Besonderheiten bezüglich der internen Qualifikation und deren Dokumentation zu beachten.

Jede Elektrofachkraft kann auf dem weiten Feld der Elektrotechnik immer nur einen Teilbereich sicher abdecken kann. Die DIN VDE 1000-10 formuliert das ebenfalls so und geht sogar noch einen Schritt weiter: Laut dieser Norm kann man die Qualifikation der Elektrofachkraft sogar verlieren, wenn man längere Zeit in einem berufsfremden Arbeitsgebiet tätig war. Ein Rückerwerb ist durch theoretische und praktische Befassung mit den Themen natürlich ebenfalls wieder möglich.

 

Verantwortliche Elektrofachkraft

Die verantwortliche Elektrofachkraft ist eine inzwischen weitestgehend bekannte und auch etablierte Qualifikationsstufe bzw. Rolle im Elektrobereich. Verantwortliche Elektrofachkraft gemäß DIN VDE 1000-10 ist:

"wer als Elektrofachkraft nach Abschnitt 3.1 der Norm die Fach- und Aufsichtsverantwortung übernimmt und vom Unternehmer dafür beauftragt ist."

Die Übernahme dieser Aufgaben muss in Übereinstimmung mit § 13 Arbeitsschutzgesetz auf jeden Fall schriftlich dokumentiert werden. Diese Festlegung stellt klar, wer im Elektrobereich die Fach- und Aufsichtsverantwortung trägt. Nicht der als Führungskraft tätige elektrotechnische Laie und auch nicht der "vor Ort" tätige Elektriker kann die Verantwortung für die Planung, den Bau und den Betrieb von Anlagen sowie die Auswahl und den Einsatz von Personal übernehmen, sondern nur eine verantwortliche Elektrofachkraft.

Die verantwortliche Elektrofachkraft ist – an dieser Stelle sei der Vergleich mit dem Tierreich gestattet – vielmehr der "Silberrücken" unter den Elektrofachkräften, er muss die Richtung vorgeben und die Fäden in der Hand halten. Daher gibt es seit 1995 in der DIN VDE 1000-10 die Regelung, wonach der Unternehmer eine verantwortliche Elektrofachkraft (im besten Fall in Personalunion mit dem Anlagenbetreiber Elektrotechnik) zu benennen hat, die diese unternehmerische Aufgabe und die damit einhergehende Handlungsverantwortung übernimmt.

Für die verantwortliche fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils ist also eine verantwortliche Elektrofachkraft erforderlich. Sie hat Bedeutung für alle Betriebe, das heißt nicht nur für die der Elektrotechnik sehr "nahe" Betriebe. Insbesondere auch in einem nicht elektrotechnischen Betrieb, beispielsweise einem Hüttenwerk, einer Druckerei, einem Flughafen, einem Automobilhersteller, einem Lebensmittel produzierenden Unternehmen, einer Kommune oder einer Bauunternehmung, muss für die verantwortliche fachliche Leitung des diesem Betrieb angegliederten elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils in jedem Fall eine verantwortliche Elektrofachkraft bestellt werden, die die Fach- und Aufsichtsverantwortung für diesen Bereich übernimmt.

 

Weitere Ausführungen zu dem Thema im Fachbuch VDE-Schriftenreihe 135 „Anlagenbetreiber Elektrotechnik und Verantwortliche Elektrofachkraft“