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VDE 0105-100: Was sich für Elektrofachkräfte jetzt ändert.

VDE 0105-100: Was sich für Elektrofachkräfte jetzt ändert.

Zusammenfassung

  • Die DIN EN 50110-1 ist seit November 2024 veröffentlicht. Die deutsche Umsetzung in der VDE 0105-100 steht noch aus.
  • Aus drei Arbeitsmethoden werden vier Arbeitsverfahren. Das ist keine Wortklauberei, sondern eine normative Neuordnung mit Folgen für die Praxis.
  • Die bisherigen Schutzabstandstabellen 102 und 103 entfallen. Die Abstandsberechnung wird damit individueller und anspruchsvoller.
  • Wer die europäische Norm jetzt liest, ist vorbereitet, sobald die nationale Umsetzung kommt.

Die VDE 0105-100 ist seit über 120 Jahren das Regelwerk für sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen. Ihre Neufassung ist keine Formalie. Sie verändert, wie Elektrofachkräfte Arbeiten vorbereiten, Arbeitsabstände ermittelt und Rollen zugewiesen werden. Die nationale Umsetzung steht noch aus der europäische Vorläufer DIN EN 50110-1 liegt seit November 2024 vor. Wer jetzt hineinschaut, verschafft sich einen Vorsprung.

Vier statt drei: Warum die neue Verfahrenseinteilung zählt

Bisher kannten wir drei Arbeitsmethoden. Zukünftig gelten vier Arbeitsverfahren — und der Unterschied zwischen „Methode“ und „Verfahren“ ist absichtlich gesetzt.

Das Verfahren beschreibt den Rahmen: wie gearbeitet wird. Die Methode ist das Werkzeug innerhalb dieses Rahmens. Beim Verfahren „Arbeiten unter Spannung“ etwa wählt die Elektrofachkraft aus drei Methoden: Arbeiten auf Abstand, Arbeiten mit Isolierhandschuhen oder Arbeiten auf Potential.

Die bisherige Methode „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“ wird dabei aufgeteilt in zwei neue Verfahren: „Arbeiten innerhalb der Annäherungszone“ und „Arbeiten außerhalb der Annäherungszone“. Diese Trennung schärft die Entscheidungsgrundlage — statt einer breiten Kategorie gibt es künftig klare Zuordnungskriterien je Situation.

Für die tägliche Arbeit bedeutet das: Die Einstufung einer Tätigkeit erfordert künftig eine bewusstere Einordnung. Wer die Verfahren kennt, trifft die Wahl schneller und sicherer.

Schutzabstände: Tabellen weg, Berechnung individuell

Die Schutzabstandstabellen 102 und 103 entfallen. Was bedeutet dies für uns in der Praxis?

Bisher lieferten die Tabellen feste Mindestabstände, ablesbar nach Spannungshöhe. Künftig bleiben die Gefahrenzonen-Abstände aus Tabelle 101 erhalten, müssen aber durch weitere Faktoren ergänzt werden: ergonomische Aspekte der Arbeitssituation sowie die Leitfähigkeit von Ausrüstung, Gegenständen und Werkzeugen. Erst das Ergebnis dieser Berechnung bestimmt, welches Arbeitsverfahren anzuwenden ist.

Das ist anspruchsvoller — aber fachlich konsequent. Die Anforderung war schon bisher in der Norm enthalten, nur nicht so eindeutig formuliert. Die neue Fassung macht explizit, was gute Elektrofachkräfte ohnehin berücksichtigt haben. Die Norm kündigt Berechnungsbeispiele an; sie werden die Umsetzung im Betrieb erleichtern.

Für die Arbeitsvorbereitung bedeutet das: Dokumentation und Gefährdungsbeurteilung werden wichtiger. Wer Abstände nicht mehr aus einer Tabelle abliest, sondern berechnet, muss diesen Weg nachvollziehbar abbilden.

Internationale Rollenbezeichnungen: Mehr als ein Namenswechsel

Die bekannten Rollen im Betrieb erhalten englische Pendants — eine Konsequenz der internationalen Harmonisierung:

  • Anlagenbetreiber → Installation Manager (IM)
  • Anlagenverantwortlicher → Operation Controller (OC)
  • Arbeitsverantwortlicher → Work Controller (WC)
  • Arbeitende Person → Worker (W)

Das hat praktische Relevanz überall dort, wo fremdsprachige Mitarbeiter in elektrotechnischen Betriebsbereichen tätig sind. Klare Rollenbezeichnungen reduzieren Kommunikationsfehler — und damit Unfallrisiken.

Sinnvoll ist es, die Kürzel bereits jetzt in Arbeitsanweisungen, Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen einzuführen. Wer wartet, bis die nationale Norm kommt, hat den Umstellungsaufwand konzentriert — wer schrittweise vorgeht, verteilt ihn.

Was jetzt zu tun ist

Die DIN VDE 0105-100 in ihrer neuen Fassung ist noch nicht in Kraft. Der europäische Teil DIN EN 50110-1 ist veröffentlicht, in Deutschland aber noch nicht anzuwenden — die deutschen Festlegungen folgen mit der nationalen Norm.

Trotzdem lohnt es, nicht abzuwarten. Drei konkrete Schritte sind sinnvoll:

  • Norm lesen: Die DIN EN 50110-1 (November 2024) gibt den Rahmen vor. Wer sie kennt, versteht die kommenden Änderungen schneller.
  • Rollenbilder schärfen: Internationale Kürzel in interne Dokumente integrieren — besonders in Betrieben mit mehrsprachiger Belegschaft.
  • Arbeitsvorbereitung prüfen: Bestehende Prozesse für die Abstandsberechnung auf Anpassungsbedarf untersuchen, bevor die Norm verbindlich wird.

Wenn Sie dabei Unterstützung brauchen — bei der Einordnung der Norm, der Aktualisierung Ihrer Elektroorganisation oder der Schulung Ihrer Fachkräfte — sprechen Sie uns an. Wir begleiten Unternehmen genau in dieser Übergangsphase.

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Autor: Fabian Rieke, Geschäftsführer Ensmann Consulting GmbH
Grundlage: DIN EN 50110-1 (November 2024); DKE-Normauslegung zur Anwendbarkeit in Deutschland