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Beratung verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)

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Kurze Herleitung und fünf
Organisationsbeispiele zum
Aufbau einer rechtssicheren
Organisationsstruktur im
Bereich der Elektrotechnik

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Ziel einer fachlichen Organisation im Elektrobereich mit verantwortlicher Elektrofachkraft (VEFK)

Wesentliches Ziel einer sauberen fachlichen Organisation im Bereich der Elektrotechnik mit der Funktion der verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) ist - neben dem Erhalt der Verfügbarkeit der elektrotechnischen Anlagen und Betriebsmittel - natürlich deren Sicherheit in Bezug auf Mensch, Tier und Sachwerte. Die Elektrosicherheit steht also primär im Fokus.

Unter „elektrischer Sicherheit“ werden gemäß DIN VDE 1000-10 in erster Linie alle Maßnahmen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen, wie gefährliche Körperdurchströmungen oder Folgen von Störlichtbögen verstanden. Hinzu kommen elektrotechnische Wirkungen, die zu Bränden oder Explosionen führen können, ebenso wie die Gefahren durch elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder, durch statische Elektrizität oder auch mittelbar durch unzureichende Funktionssicherheit (z. B. steckenbleibende Aufzüge, ausgefallene Notbeleuchtungen und Sicherheitsverriegelungen an Käfigen von Roboterarmen).

Die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) soll durch Kenntnisse und die sinnhafte Anwendung von Regelwerken und durch mit gesundem Menschenverstand durchgeführte Gefährdungsbeurteilungen daran arbeiten, Unfälle durch elektrische Gefährdungen zu vermeiden.

Die Elektrosicherheit ist nicht zuletzt auch ein Teil der Arbeitssicherheit, insofern ist die Abstimmung, Unterweisung und Vernetzung der verantwortlichen Elektrofachkraft mit den für die Arbeitssicherheit zuständigen Fachkräften für Arbeitssicherheit auf jeden Fall erforderlich und auch sinnvoll.

Grundlegendes zur verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK)

Seit die Norm, die den Begriff „verantwortliche Elektrofachkraft" (VEFK) definiert, die DIN VDE 1000-10 mit dem Titel „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ im Mai 1995 erstmals erschienen ist, nimmt das Thema rechtssichere Organisation im Bereich der Elektrotechnik, bzw. Elektrosicherheit langsam aber beständig an „Fahrt“ auf:

Alle Unternehmen, die elektrotechnische Einrichtungen planen, errichten, betreiben oder instand halten, sind gut beraten, wenn sie eine verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) nach DIN VDE 1000-10 bzw. seit dem Jahr 2009 auch einen Anlagenbetreiber Elektrotechnik nach DIN VDE 0105-100 mit dem Titel „Betrieb von elektrischen Anlagen – Allgemeine Festlegungen“ bestellen.

In der Praxis vieler Unternehmen ist es allerdings häufig so, dass der Unternehmer und die oberen Führungskräfte selbst keine Elektrofachkräfte sind und deshalb die Aufgaben und die Verantwortung im Bereich der Elektrotechnik nicht selbst übernehmen können.

Der Lösungsansatz für diesen Fall ist die durchdachte Organisation des Elektrobereichs mit verantwortlicher Elektrofachkraft bzw. Anlagenbetreiber Elektrotechnik. Dieser Funktionsträger wird dann vom Unternehmer über eine schriftliche Unternehmerpflichtenübertragung gemäß § 13 (2) Arbeitsschutzgesetz mit der fachlichen Leitung des elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils betraut.

Auch die Berufsgenossenschaft wird das Thema „verantwortliche Elektrofachkraft“ (VEFK) bzw. „leitende Elektrofachkraft“ im Rahmen der Überarbeitung der Unfallverhütungsvorschriften DGUV Vorschrift 3 und 4 bzw. in der künftigen BG-Regel 103-011 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ behandeln.

 

Funktion der verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK)

Die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) trägt in einem klar definierten Aufgaben- und Arbeitsbereich (elektrotechnischer Betrieb oder Betriebsteil) die elektrotechnische Fachverantwortung und ist darüber hinaus in diesem konkreten Bereich schriftlich mit der Wahrnehmung von Unternehmerpflichten hinsichtlich der Einhaltung der elektrotechnischen Anforderungen beauftragt. Unternehmerpflichten sind z. B. Organisations-, Fürsorge-, Auswahl-, Aufsichts- und Kontrollpflicht sowie die Verpflichtung eine angemessene Dokumentation zu den genannten Punkten zu führen.

Jede für die Erstellung und Einhaltung der elektrotechnischen Sicherheitsfestlegungen zuständige verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK), darf Weisungen zu deren Erstellung und Einhaltung gesetzlich nur von einer dazu weisungsbefugten übergeordneten verantwortlichen Elektrofachkraft erhalten. Die fachliche Weisungsbefugnis ist Bestandteil der fachlichen Weisungsfreistellung einer jeden verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK), die diese im Rahmen Bestellung erhalten muss. Eine verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) darf hinsichtlich Erstellung und Einhaltung der elektrotechnischen Sicherheitsfestlegungen keiner Weisung von fachfremden Personen, die keine fundierten Kenntnisse im Bereich der Elektrotechnik besitzen, unterliegen. Die fachliche Weisungsfreistellung im Beauftragungsbereich stellt die erforderliche Kompetenzzuweisung dar, damit die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) wirkungsvoll im Rahmen der übertragenen Pflichten arbeiten kann.

Diesen wichtigen Punkt enthält letztlich jede VEFK-Bestellung, weil die einschlägige Norm, die DIN VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ dies auch so fordert. In der VEFK-Bestellung häufig mit Begriffen wie „ist fachlich weisungsfrei“ oder „unterliegt keiner fachlichen Weisung“ formuliert.

Essentiell ist natürlich, dass die Weisungsfreiheit der VEFK nicht nur in der schriftlichen VEFK-Bestellung „erwähnt“ ist, sondern, dass diese Eingriffsmöglichkeit im tatsächlichen Bedarfsfall in der Praxis tatsächlich vorhanden und akzeptiert ist.

 

Aufgaben einer verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK)

Siehe hierzu auf der Unterseite von VEFK-FAQ die ausführliche Antwort zu der Frage „VEFK-Aufgaben - Welche Aufgaben übernehme ich als VEFK?“

Die konkreten Pflichten können sich natürlich von VEFK zu VEFK unterscheiden. Der konkrete Tätigkeitsbereich muss in der VEFK-Pflichtenübertragung (Bestellung) hinreichend genau beschrieben sein:

  • Grundlegende Organisation des Elektrobereichs und der fachlichen Pflichtenübertragungen (Aufbau und Erhalt einer fachlichen Struktur)
  • Planen, Errichten, Betreiben, Instandhalten und Ändern (Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel (Erstprüfungen und Wiederholungsprüfungen), Zutrittsregelung für elektrische Betriebsstätten und abgeschlossene elektrische Betriebsstätten, Durchführungserlaubnis sowie Arbeitsfreigabe, Festlegen zulässiger Tätigkeiten und Arbeitsverfahren etc.)
  • Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen
  • Kommunikation und Schnittstellen des Elektrobereichs mit anderen Unternehmensbereichen
  • Bereich Dokumentation und ggfs. technische Produktdokumentation
  • Fremdfirmeneinsatz
  • Organisation des Themenbereichs persönliche Schutzausrüstung und Arbeitskleidung
  • Koordinierte Bereitstellung von relevanten Regelwerken
  • Qualifikationsaufbau und -erhalt für im Elektrobereich tätige Personen wie beispielsweise elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP), Elektrofachkräfte (EFK), Schaltberechtigte, befähigte Personen für Prüfungen und Anlagen- und Arbeitsverantwortliche

 

Struktur und Anzahl erforderlicher verantwortlicher Elektrofachkräfte (VEFK)

Verantwortliche Elektrofachkräfte (VEFK) können beispielsweise für räumliche Regionen, für bestimmte Unternehmensbereiche oder auch thematisch für einzelne Teilbereiche der Elektrotechnik, wie beispielsweise für den Themenbereich der elektrotechnischen Erst- und Wiederholungsprüfungen von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln bestellt werden.

Natürlich kann, je nach Unternehmensgröße, die Notwendigkeit bestehen nicht nur eine, sondern mehrere verantwortliche Elektrofachkräfte (VEFK) zu beauftragen, um den elektrotechnischen Unternehmensbereich rechtssicher zu organisieren. Koordiniert und synchronisiert wird das Gesamtsystem dann in der Regel von einer gesamtverantwortlichen Elektrofachkraft oder von einem Elektrosicherheitskoordinator.

Die Komplexität der Organisation hängt natürlich stark von der Unternehmensgröße und vom Betriebszweck des jeweiligen Unternehmens ab. Je größer die elektrischen Gefährdungen, beispielsweise durch hohe elektrische Spannungen oder hohe Energien sind, desto mehr Augenmerk muss auf diesen Bereich gelegt werden. Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Qualifikation und die Anzahl der an oder in der Nähe von elektrischen Anlagen tätig werdenden Personen. Je größer die Anzahl der vorhandenen Elektrofachkräfte, elektrotechnisch unterwiesenen Personen, Prüfer oder Schaltberechtigten wird, desto wichtiger ist die Verantwortung entsprechende fachliche Führungsstrukturen zu etablieren.

 

Aus der Praxis: Spannungsfeld „Unternehmer versus VEFK“

Neben den vorgestellten - eher regelwerksbasierten - Grundlagen des Themas sollen im Folgenden zusätzlich noch ein grundlegender praktischer Aspekt beleuchtet werden, die in der Praxis immer wieder zu Missverständnissen und Spannungen führen.

Es handelt sich um die unterschiedlichen „Blickwinkel“ von Unternehmer und VEFK auf ein und das gleiche Thema.

Das Spannungsfeld ist nicht zu unterschätzen, es lässt sich keine belastbare Organisation im Bereich der Elektrotechnik aufbauen, ohne das die oben angesprochenen Punkte ausgiebig mit allen Beteiligten diskutiert und geklärt wurden.

Häufige Fragen und Gedanken des Unternehmers und der oberen Führungskräfte

  • „Brauchen wir wirklich eine oder gar mehrere VEFK?“
  •  „Sind wir dann nicht überorganisiert? In anderen Bereichen haben wir das auch nicht so organisiert!“
  • „In welchen Regelwerken steht, dass wir genau so arbeiten müssen? – Und trifft das auch wirklich auf unser Unternehmen zu?“
  • „Der Nutzen ist maximal indirekt zu erkennen und nur schwer zu quantifizieren, wie soll ich das den Inhabern / Aktionären erklären?“


Insbesondere den nicht elektrotechnisch unterwiesenen Führungskräften muss durch „einfühlsame“ Beratung und Gespräche klar gemacht werden, dass die zu etablierende VEFK-Organisation gerade ihnen, den Führungskräften, „den Rücken freihält“. Insgesamt sollte es also sehr wohl im Unternehmensinteresse liegen, dass eine taugliche Organisationsstruktur im Bereich der Elektrotechnik existiert und der Bereich der Elektrosicherheit und des Betriebs elektrischer Anlagen und Betriebsmittel richtig organisiert ist, Aufgaben klar und transparent delegiert sind und das Ganze auch noch entsprechend kontrolliert und dokumentiert wird.

Häufige Fragen und Gedanken der verantwortlichen Elektrofachkräfte (VEFK)

Neben der reinen Facharbeit, die die VEFK für das Unternehmen leistet, interessiert die VEFK natürlich auch insbesondere – und zu Recht – ihre persönlichen Belange. Hier stehen insbesondere folgende Fragen im Fokus:

  • „Welche persönlichen und fachlichen Voraussetzungen muss ich als VEFK erfüllen?“
  • „Welche konkreten Pflichten kommen auf mich als VEFK zu?“
  • „Welche Kompetenzen erhalte ich um Aufgabe und Verantwortung tragen zu können?“
  • „Wie sieht die für mich optimale VEFK-Bestellung bezüglich Formulierung und inhaltlicher Bestimmtheit aus?“
  • „Welche Haftung droht mir als VEFK im Zweifelsfall und gibt es eine spezielle VEFK-Versicherung, die mich schützen kann?“
  • „Kann sich die Übernahme der VEFK-Aufgabe positiv auf mein Gehalt auswirken bzw. ist die Zahlung einer Funktionszulage für die Ausübungsdauer denkbar?“

Antworten auf diese Fragen finden Sie im VEFK-FAQ oder auch ausführlich im Seminar- und Schulungsangebot von Ensmann Consulting.